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"Was bringt den Doktor um sein Brot?
A: die Gesundheit
B: der Tod
So hält er uns, auf dass er lebe,
zwischen Beiden in der Schwebe."
Eugen Roth
 
Stellenausschreibung

In meinem Leben ist zum nächstmöglichen
Zeitpunkt die Position des/der
Leibarztes / Leibärztin

zu besetzen. Gesucht wird eine/ein erfahrene/r Ärztin/Arzt für die Begleitung durch funktions- und Labordiagnostik mit sozialem und philosophischem Interesse und Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit.
Ernstgemeinte Kontaktaufnahmen sind sehr willkommen.
 
Wenn ich nur Lust hätte die vielen Unglaublichkeiten zu erzählen, die ich mit einigen der rund vier Dutzend 'Mediziner/innen' erleben durfte, von den vielen falschen Urteilen die sie fällten, und den vielen Pharmazeutika die ich daraufhin unnötig in mich eingeführt hab, durch den Bauch oder direkt in die Blutbahn.
Bis auf den Gynäkologen hab ich sie wohl alle schon aufgesucht, die 'Fachrichtungen', die sich die verfügbaren sichtbaren Organe gerecht untereinander aufgeteilt haben.
 
Wir haben in Deutschland jährlich etwa 7.000 Verkehrstote zu beklagen, das ist schrecklich und Grund genug um Millionensummen in Sicherheit und Aufklärung zu investieren, was sich in den Statistiken auch erfolgreich zeigt, die Zahl nimmt ab. Unverständlich daher, dass die ebenso statistisch erfassten 50.000 Todesopfer durch ärztliche Behandlung keinerlei Reaktion hervorrufen oder auch nur Beachtung finden würden. Diese Menschen sterben wohlgemerkt nicht trotz einer Behandlung an ihrer Krankheit sondern an der Behandlung einer Krankheit, die sie wohl nicht getötet hätte. An falschen Wirstoffen oder -dosen, an unnötigen Operationen, an wie auch immer hervorgerufenen Verwechslungen und Irrtümern ...
 
Der Grund, warum wir uns über den überwiegende Teil unserer Ärzte beklagen können und endlich auch sollten, ist wie so oft der Zweck. Denn der Zweck des Arztberufes ist schon lange nicht mehr die Hilfe, die Heilung, oder eines der anderen ehrenvollen Prinzipien des großen Hippokrates, auf den sie sich seit 3.000 Jahren berufen. Die Zwecke sind nach dem Lebensunterhalt, der Status, der schicke Kittel, das erreichbare Maß an Wohlstand. Wenn es denn überhaupt je anders war, schliesslich ist der Reim, den sich ein großer Geist auf die Ärzte machte, bereits rund 200 Jahre alt:
 
"... der Geist der Medizin ist leicht zu fassen;
Ihr durchstudiert die gross, und kleine Welt,
Um es am Ende gehn zu lassen,
Wie's Gott gefaellt.
Vergebens, dass Ihr ringsum wissenschaftlich schweift,
Ein jeder lernt nur, was er lernen kann;
Doch der den Augenblick ergreift,
Das ist der rechte Mann.
Ihr seid noch ziemlich wohl gebaut,
An Kuehnheit wird's Euch auch nicht fehlen,
Und wenn Ihr Euch nur selbst vertraut,
Vertrauen Euch die andern Seelen.
Und wenn Ihr halbweg ehrbar tut,
Dann habt Ihr sie all unterm Hut.
Ein Titel muss sie erst vertraulich machen,
Dass Eure Kunst viel Kuenste uebersteigt;
Zum Willkomm tappt Ihr dann nach allen Siebensachen,
Um die ein andrer viele Jahre streicht,..."
 
Die meisten Kulturen, die über ihr Tun wohl länger nachgedacht haben als die unsere, haben einen grundsätzlichen Unterschied im System der Belohnung ihrer Medizinleute. Dort wird nicht die Handlung an einem Kranken ohne Betrachtung des Effekts bewertet, dort ist die Gesundheit die Voraussetzung für die Bezahlung, und die auch dort üblichen Annehmlichkeiten hängen von ihr ab. Dort überträgt man ihnen die Verantwortung für den Schutz vor der Krankheit und man rechnet jede Abweichung vom Gesunden Normal den Medizinern als Versagen an. Und sie haften nicht nur mit ihrem Lebensunterhalt, sie haften mit ihrer Ehre.
> Der Hippokratische Eid   (vom Pferd erzählt)
 
Bei einem Volk von 80.000.000 Menschen ist aus dieser Tätigkeit, die normalerweise dicht am Menschen geschieht ein großer Verwaltungsakt geworden. Da einige kränker sind als andere, erfand man das ausgleichende Versicherungssystem, das natürlich nicht versucht die Krankheit gerecht übers Volk zu verteilen, sondern lediglich den Kostenaufwand, den diese verursachen.
 
Was übrigens eine der hinterhältigsten Urbanen Legenden ist, denn Krankheit hat noch nie gekostet. Jede Infektion ist gratis und die meisten verderben den Appetit. Trotzdem "explodieren" die Summen weiter, die vom Volk erwirtschaftet sein wollen. Aber bevor wir unsere gesunde Wut auf einen Falschen fokussieren, es sind weder die Kranken die hier steigenden Profit machen, und sogar die Ärzte nicht. Man findet die Be(i)träge nunmehr und wohl noch ein Weilchen als Immobilie der Krankenkassen, als Entlassungsentschädigung der Vorstände derselben (die beim schamlosen verjubeln erwischt wurde), bei Siemens, denn die bauen immer neue diagnostische Elektronik, die zwar sauteuer, aber auch geeignet ist immer neue Symptome zu diagnostizieren, von denen der Patient sonst vielleicht nie erfahren hätte.
 
Krankheiten wie die 'Osteoporose', die sich internationale Pharma-Riesen in unserem wahnsinnigen Konsens ebenso patentieren lassen können wie die Medikamente dagegen. Und wer zu freier Preisgestaltung befähigt ist, der kann auch genug davon abgeben an jene, die hauptberuflich die Hand weit offen und dann die Augen fest geschlossen halten.
 
Im Ergebnis dieser himmelstinkenden Gesamtsituation habe ich nach einer Odyssee durch Warte- Sprech- Untersuchungs- und Behandlungsräume sowie diverse klinische 2 bis 5 Bett Zimmer derzeit keinen behandelnden Hausarzt, obwohl ich wohl einen bräuchte, keinen behandelnden Neurologen, obwohl so einer vielleicht nützlich oder zumindest informativ wäre und keinen forschenden Endokrinologen, ... ich betreibe mehr oder weniger 'Selbsttherapie' und 'Aushalten' mit gut trainierter Akzeptanzfähigkeit.
 
Ärzte, denen ich danke:
 
    1. PD Dr.med. Arne May, Regensburg, UKE Hamburg (sehr)
    2. Dr. Thomas Hartung, Weimar
    3. Prof.Dr.Dr.med.Dipl.Psych. Hartmut Göbel, Kiel, (bedingt)
    4. Hans-Christian Kuchenbecker, Weimar
 
Ärzte, denen ich noch verzeihen muss:
 
    1. Dr.med. J.-R. Machulla, Bad Berka
    2. Dr.med. Günter Lindig, Weimar
    3. Dr.med.dent. Sabine Genz, Weimar
    4. Dr.med. Henning Plote, Winsen/L.
    5. Dipl.Psych. ? Vogt, Mühlhausen
    6. Dr.med. Erika Lehrke, Weimar
 
Ärzte, denen ich schon verziehen habe:
 
    1. Dr.med. Bettina Döring, Bad Berka
    2. Dipl.med. Steffen Bischoff, Bad Berka
    3. Dr.med Gabriele Reichenbach, Bad Berka
    4. SR Dr.med. Annerose Entling, Bad Berka
    5. Dr.med. Irmtraud Seger, Bad Berka
    6. Dr.med. Peter-M. Wieczorek, Weimar
    7. Dr.med. Thomas Wagner, Weimar
    8. Dr.med. Sigrid Krone, Erfurt
    9. Dr.med. Hans-Jochen Plaul, Weimar
    10. PD Dr.med. L. Adler, Mühlhausen
    11. Dr.med. ? ?, Landesfachkrankenhaus für Neurologie, Mühlhausen
    12. Dr.med. ? Tschiersch, Mühlhausen
    13. AiP ? ?, Klinik am Kirschberg, Weimar
    14. Dipl.med. Annette Plaul, Weimar
    15. Dr.med. Birgit Mitzscherling, Weimar
    16. Dipl.psych. Hagen Wegmann, Arnstadt
    17. Dr.med. Joachim Peters, Winsen/L.
    18. Dr.med. Hartmann Woelke, Winsen/L.
    19. Dr.med. Albrecht Grupp, Winsen/L.
    20. Dr.med. Manfred Bornefeld, Winsen/L.
    21. Dr.med. Victor Christ, Winsen/L., (schon lange)
    22. ...
 
Ärzte, die keine Erwähnung verdienen:
 
    1. ...
    2. ...
    3. ...       (Liste unvollständig)
 

Der Ottomane
von Erik Eckstein

Seit unlängst - etwa kurz nach neulich -
geht es mir elend. Ziemlich gräulich.
Und weil ich grau nicht leiden kann
ging ich schnurstracks zu einem Mann
der schon gezeigt hat im Examen
wie er zu Läufern macht die Lahmen.
So hab ich mich in’s Wartezimmer
ganz ohne einen blassen Schimmer
was mir könnt fehlen reingesetzt,
von allen Wartenden zuletzt.
Und noch dazu ohne Termin,
las ich ein buntes Magazin.
Ich las es ganz, die andern Kranken
sah ich beim Gehen dem Arzt froh danken.
Und daraus sproß in mir der Mut,
'bald ist mit Dir auch alles gut'.
Als ich nun einsam an der Wand sitz
erblick ich des Herrn Doktors Antlitz.
Und er auch meins. Mit sanfter Geste
fragt er mich dann: „Sind Sie der Nächste?“
Ich dacht - als einziger im Zimmer -
der Mann hat keinen blassen Schimmer
vom Grundbegriff der Algebra,
doch macht ja nichts, er soll mich ja
nicht subtrahieren oder teilen,
nicht quersummieren - sondern heilen.
So gratulierte ich dem Herrn
zur richtigen Vermutung gern.
Erst ging ich ihm in sein Gemach
dann er in mir der Sache nach.
Derweil hab ich ihm dann erzählt,
wie’s mich seit kurz nach neulich quält,
doch störten Nasen-Wattebäusche
die Sinnzuordnung der Geräusche,
die während er mich palpatierte
mein Mund statt Sprache generierte.
Ich 'hhmmte' ihm, um zu erklären,
was meine Symptomaten wären.
Der Fall schien klar, so sprach er dann,
das man wohl gar nichts machen kann.
Er stellte mir die sehr profane
Diagnose: Ottomane.
Das sei sehr selten, keine Frage,
doch angesichts der Kassenlage
könnt er mir keine Kur verschreiben,
so müsst ich Ottomane bleiben!
Als ganzer Mann müsst mein Bestreben
nun sein mit dem Befund zu leben.
Jetzt geh’ es drum mein Leid zu lindern
und darum, Schlimmeres zu verhindern.
Ein Pflaster für den großen Zeh.
Das hilft gut gegen Kanapee,
dazu noch eine Spritze *Autsch*
zur Prophylaxe gegen Couch.
Auf dass ich mich nicht noch anstecke
mit der akuten Ess-Sitz-Ecke
gab er mir eine Salbe dann,
die auch bei Diwan helfen kann.
Und käm’ ich in die große Not,
dass Liege- oder Klappstuhl droht
dann solle ich mich wieder melden
denn das würd´ als gefährlich gelten.
So ging ich heim. Ich war verloren.
Er klingt mir heut’ noch in den Ohren:
Der Arzt-Tür-Wiedersehensgong
der Praxis: Doktor Chaiselongue.
 
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