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Kranke Kassen - die Geschichte eines Ver(un)sicherten
 
 
Meine "Versichertenkarriere" begann 1992 und sofort ging da Einiges durcheinander. Damals kann es noch nicht einmal an negativer Erwartung gelegen haben, denn ich hatte eine zumindest vollkommen unbelastete, um nicht zu sagen überhaupt keine. Ich arbeitete als 'Freiberufler' beim NDR. Und wenn man im Unterhaltungsrundfunk frei formulierend auftritt, dann ist man Künstler, jedenfalls im Sinne des Künstlersozialversicherungsgesetzes. Somit ist man in Deutschland dann der "Künstlersozialkasse" zugeteilt, die auch in meinem Fall auf Antrag die Verpflichtung zur dortigen Mitgliedschaft feststellte, willkommen in Deutschland.

Der Modus operandi: die Künstlersozialkasse (KSK) bekommt direkt vom Versicherten (also von mir) die Beiträge, ergänzt sie um einen Zuschuss und leitet das Geld an eine vom Versicherten frei wählbare Krankenkasse als Leistungsträger, die Pflegekasse und die BfA weiter. Meine leistungstragende Krankenkasse sollte die AOK sein. Das verstand der NDR leider falsch und überwies fortan 20% meiner Honorare nicht mehr an mich, sondern an jene AOK. Die KSK wiederum schickte an mich gleichzeitig Zahlungsaufforderungen für fällige Beiträge. Der NDR wollte nicht aufhören können an die AOK zu überweisen, bis diese sagen würde er solle nicht mehr, diese aber dachte garnicht daran, auch nicht etwa die Gelder jemals wieder herauszurücken, die bei Ihnen zwar angekommen wären, aber ich solle das mit der KSK klären, die immer weiter Mahnungen und irgendwann auch das Hauptzollamt schickte um die längst an ihnen vorbei einbehaltenen Beiträge von mir endlich zu bekommen, da könntste doch ...

Der einzige Ausweg der mir hier einfiel war, mich durch einen anderen Antrag von der zuvor beantragten Pflicht zur Mitgliedschaft in der KSK befreien zu lassen, was dann - ich weiß nicht mehr genau wie - auch gelang. Und somit war ich gleichzeitig auch die AOK fürs erste los.
 
zuviel bezahlt: ~ 1.800,- DM
 

Ich versicherte mich 1993 für einen Bruchteil des Geldes das mir bisher abgezogen wurde bei der "privaten" Berlin-Kölnischen Versicherung und für das Alter beim "privaten" Versorgungswerk der Presse, einer Institution der Allianz.
Das erste Mal das ich die wirklich benötigte, war als mir im Sommer 1995 ein jugendwilder Autohauserbe mit seinem Cabrio und voller Wucht zwei Autos in den Kofferaum meines gerade frisch umgebauten Viertelmeilen-Mantas, mich mit diesem in den 300er S-Mercedes der mich gerade zum Einstellen der Vergaseranlage schleppen sollte, und den dann noch in einen LKW schob, bis auf diesen allesamt Totalschaden. Wie damals hatte ich ein verdammt schmerzhaftes Schleudertrauma, heute weiß ich das es da noch andere Zusammenhänge gab.


Jedenfalls meinte die Berlin-Kölnische, ich solle mich wegen des Verdienstausfalls und der Behandlungskosten doch gerichtlich mit dem Unfallverursacher auseinandersetzen. Un-/-glücklicherweise hatte ich kurz zuvor 30.000,- Deutschmark bei meiner Bank auf ein Kreditkonto zahlen lassen, um mit zwei Partnern ein Produktionsstudio namens 'zooMedia'
zu eröffnen. Statt die extra bestellten Kabel und das Mischpult abzuholen hab ich das Geld dann erstmal aufessen und für Ärzte ausgeben müssen. Bei Gericht kam schliesslich ein "Vergleich" zustande, der mich mit 10.000,- DM stehen liess, jedem der beteiligten Anwälte jeweils 19.500,- DM Honorar brachte, und im Endeffekt der Anfang war, das bis zum heutigen mein Konto an nur wenigen Tagen mal ein Plus vor der Zahl ausgewiesen hat.

 
entstandener Schaden: ~ 45.000,- DM
erhaltene Entschädigung: 10.000,- DM
 
1995 wechselte ich zur DKV, die dann ab 1997 versuchte mich wieder loszuwerden (denn da tauchten vermehrt Untersuchungskosten für den Kopf
auf) was ihr dann im Oktober 1999 auch endlich gelang, weil ich aufgrund der damaligen gesundheitlichen Umstände mit der Zahlung der Beiträge organisatorisch nicht mehr nachkam und mich einfach rauswerfen lies anstatt mich krankschreiben zu lassen und den Moneyflow in meine Richtung zu aktivieren.
 
entgangene Krankengeld-Leistung: ~ 16.000,- DM
 
Im Dezember 1999 fing ich bei JUMP an und merkte schnell, dass ich doch nochmal versuchen müßte etwas 'gegen meinen Kopf' zu unternehmen. Ich versuchte den obersten aller Spezialisten zu lokalisieren und begab mich am 07.01.00 zu Prof.Dr.Dr.med.Dipl.psych. Hartmut Göbel in Kiel. Der brauchte dann auch wahrlich nur 2 Minuten um die Diagnose zu stellen, zu der vorher sechs Jahre lang kein Arzt in der Lage war. Ganz ohne Sorge wer denn den Professor hierfür bezahlt war ich zu ihm gereist, denn ich hatte im Hinterkopf noch die Erinnerung an die KSK, die einen auf Antrag zu einem Künstlersozialversicherungspfichtigen macht, und da JUMP ein öffentlich rechtlicher Unterhaltungsfunk ist, meldete ich mich noch vor der Untersuchung aus dem Sekretariat der Klinik in Kiel bei jener Kasse zurück.
Die KSK allerdings stellte für sich nun fest, ich wäre zu diesem Zeitpunkt ja krank gewesen, was einen Beitritt erst nach Genesung ermöglichte, und das wäre für die KSK am Tag meiner Entlassung aus der Schmerzklinik in Kiel, und somit ist die Rechnung des Herrn Professor und der Klinik bis dato von niemandem bezahlt worden und der Streit um den Tag des Beginns meiner Versicherungspflicht dauerte vor dem Sozialgericht Gotha und dem Landessozialgericht Erfurt mehr als fünf Jahre. Man kam schhließlich zu dem Schluss, ... ach lies selbst.
 
[ hier kommt noch das Urteil des LSG Erfurt hin ]
 
Verweigerte Erstattung Krankenhaus-/Arztkosten: ~ 13.000,- DM
 
Gehen wir erstmal zur Sache des Versichertseins zurück. Leistungsträger der KSK war bei dieser zweiten Mitgliedschaft vom Jahr 2000 bis zum Jahr meines Rentenantrags 2003 wieder die AOK diesmal aber nicht Niedersachsen, sondern Thüringen. Fatalerweise füllte ich das Feld mit der Frage nach meiner Krankenkasse auf dem Rentenantrag bei der Presseversorgung mit der Antwort "KSK/AOK-Thüringen" denn schwupps hat die Rentenkasse sich vepflichtet gefühlt fast ein fünftel der angelaufenen Nachzahlung direkt an die AOK zu überweisen, obwohl die natürlich für den gesamten Zeitraum bereits Beiträge über die KSK erhalten hatte. Es war Ihnen nicht begreiflich zu machen das dies eine doppelte Beitragszahlung bedeutete. Um etwas zurückzuerhalten solle ich mich doch an die KSK wenden, aber die Zähigkeit dieser Anstalt hatte ich gerade in zwei Instanzen zur Genüge erlebt. "weg mit Schaden" sagt der Volksmund mancherorts um die Situation durch Lappidarisierung zu entschlimmern, aber ein Magengrummeln bekommt man doch, wenn man das Geld eigentlich selbst besser hätte verwenden können, als diese doch recht wohlhabende Institution.
 
zuviel Beitrag bezahlt: ~ 2.600,- DM
 
Ich war ja einige Jahre lang privat versichert, wo die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall eine ganz eigene vertragliche Angelegenheit ist. Und so kam es das ich lange nicht realisierte, dass ich auch bei der Künstlersozialkasse UND bei der AOK Thüringen einen solchen Leistungsanspruch gehabt hätte. Hätte ich es gewußt wäre ich bestimmt nicht im Februar 2001 zum Sozialamt gegangen um dort Hilfe zu suchen, die mir der Sachbearbeiter Schachtschabel aber tunlichst nicht zukommen lassen wollte. Gesetzlich wäre es seine Aufgabe gewesen erstmal zu schauen ob es nicht eine Leistung gäbe - vorrangige Ansprüche nennt man das - und er wäre schnell fündig geworden, er hatte die Gesetze ja in seinem Schrank stehen, ich nicht. Anstelle dessen verurteilte er mich aber 'ich müsse wohl ein Leben lang von Sozialhilfe leben' und begann diese sogleich so klein wie möglich zu rechnen. Stattdessen hätte ich aber ganze 18 Monate lang 'ganz normal' vier fünftel meines bisherigen Einkommens von einer meiner beiden mit mir befassten Kassen bekommen können, als ich dies später herausfand aber natürlich nicht mehr rückwärts. Ich hätte den Sachbearbeiter Schachtschabel nun auf Schadenersatz verklagen können, aber ...
 
entgangene Krankengeld-Leistungen: ~ 80.000,- Euro
 
Das ich ich mit Eintritt der Erwerbsunfähigkeit nicht mehr in der Künstlersozialkasse versichert bleiben konnte ist klar, das ich auch in der AOK nicht mehr Mitglied sein wollte, wird wohl auch jeder verstehen und so wechselte ich Anfang 2003 als "freiwillig versichertes Mitglied" in den Bestand der Gmünder Ersatzkasse (die hier nachzulesen auch zu eigenen Geschichten angeregt hat). Zunächst sah es zumindest auf der finanziellen Seite problemfrei aus, dann aber zum 1.1.2004 kam ein Gesetz aus dem Bundestag, das die Klamme Lage der Gesundheitsbranche retten sollte, oder wie es Georg Schramm besser formuliert: das innovationsfreie Wachstum für die Pharmariesen weiter sichern sollte. Zuvor zahlten Rentner nur die Hälfte der Beiträge zur Sozialversicherung, aber ich war ja noch kein Rentner und meine Berufsunfähigkeitsrente wurde als 'Versorgungsbezug' sowieso mit dem vollen Beitrag zur Krankenversicherung belegt. Aber eben: nur zur Krankenversicherung, denn der doch recht übliche Fall der Versicherung einer Lohnfortzahlung schließt sich bei Erwerbsunfähigkeit ja logischerweise aus. Dieses neue Gesetz aber trug die Formulierung '... zahlen den allgemeinen Beitragssatz' was wohl gemeint hat: '... zahlen nicht länger nur die Hälfte'. Allerdings werden die Begriffe 'Allgemein', 'Ermäßigt' und 'Erhöht' bei den Krankenkassen bereits verwendet um ihre drei Beitragstypen zu kennzeichnen, deren Bedeutung dann natürlich sofort im Subtext erst erklärt werden muss. Doch siehe da, die Gmünder Ersatzkasse versteht es anders, und so soll ich fortan auch den Beitragsanteil für die Lohnfortzahlung leisten. Das sehe ich nicht ein und ein reger Schriftwechsel entflammt. Nach etwas einem Jahr HickHack hatte ich die Nase voll, wechselte die Krankenkasse und liess die GEK mit ihren Nachforderungen zurück.
 
Pfändung der Rentennachzahlung: rund 800.- Euro
Offene Forderung: über 500.- Euro und steigend
 
Diesmal entschied ich so: ich schaute auf die Liste der günstigeren Krankenkassen und wählte die, deren Namen ich einfach am lustigsten fand: die BKK Dr. Oetker. Und wirklich, man erntet einen Schmunzler wenn man die Versichertenkarte zusammen mit der Praxisgebühr auf den Tresen legt. Aber soviel Spaß, dass es über den Stress hinwegtrösten würde, den man auch mit dieser Kasse hat, ist es nun auch wieder nicht. Auch im Hause Dr. Oetker findet man sich gezwungen von mir die Anteile für die Lohnfortzahlung zu fordern und ich zahle sie wieder nicht. Wieder addiert sich Forderung auf Mahngebühr wird verzinst und mit dem Datum multipliziert und so haben wir nach etwa zweieinhalb Jahren den Stand, dass man zum zweiten Mal mein Konto gesperrt hat, und das mittlerweile seit 10 Wochen, eine hübsche Sammlung eines halben Dutzends Haftbefehle
mir die Zahlung oder die Abgabe des Offenbarungseids erzwingen sollten.
 
Offene Forderung: etwa 1.600.- Euro, weiter steigend
 
Und natürlich sollte ich auch keine Leistungen mehr bekommen. Der Sauerstofflieferant hat sich bereits gemeldet und mitgeteilt, dass seine Rechnung nicht übernommen werde, ich solle bitte meine aktuelle Krankenkasse mitteilen.

Gute Idee. Es gibt ja noch etwa 200 andere auf dem Markt, also kann ich mich von nun an einfach einmal im Jahr, immer wenn die Differenz zwischen dem was ich groteskerweise zahlen soll und dem was ich logischerweise zu zahlen bereit bin sich wiederum zu einer Komplikation addiert hat, bei einer neuen Kasse anmelden.
 
Gut, oder eher ungut, es scheint ein Muster in meiner Beziehung zu Krankenversicherungen zu geben. Wenn einem viele Autos entgegenkommen ist man vielleicht doch selbst der Falschfahrer. Aber ich kann und ich möchte es nicht einsehen, dass es an mir liegen soll, denn dieses System von Versicherung von Byrokratie und Mitesserei, von unverschämter Bereicherung auf einem Markt dessen Gewinn nicht aus dem Glück sondern aus dem Leid der Menschen kommt. Der Fehler liegt im System und wir müssen es ändern, und der Grund, warum ich über die Maßen mit den Wirkungen der Fehler konfrontiert bin erklärt sich für mich als meine Aufgabe an der Aufdeckung und Verbesserung mitzuwirken.
 
Summiert man mal über den Daumen zusammen, fehlen mir etwa 116.500,- Euro in der Kasse.
Ohne das, was sie Zinsen nennen, an was ich ja aber sowieso nicht glaube.
 
Seit April 2009 bin ich jetzt bei der Techniker Krankenkasse, aber dorthin ist mir der Hass von Dr. Oetker´s BKK zu Weihnachten 2009 glatt nachgefolgt.