Wenn Helden zu lange leben ...
dann haben Sie manchmal auch zu lange Gelegenheit sich durch menschliches
oder noch schlimmeres Verhalten selbst zu entmythisieren. So tatens
nun auch die bereits ebenfalls in die 40er geratenen zwei fantastischen,
indem sie ihre Persona-prominenta mitsamt ihres Wahrhaftigkeits- und
Gutmenschlehrer-Images verkauften, an Spezialisten der visuellen Konsumförderung.
Namentlich sind es Thomas D.ürr und Michael Schmidt (Smudo) und
das Produkt ist nicht etwa Bio-Joghurt oder etwas anderes Duldbares,
es ist der Lebenszeitvertreib 'World of Warcraft', der da einen Pakt
mit den Sprechmusikanten schloss. Es läuft in hoher Frequenz
auf vor allem jugendorientierten Sendern eine Spotserie, in der sich
der eine anpreist, ein Krieger und als solcher gänzlich ohne
Gnade zu sein, während der andere sich schelmisch freut, dass
er einen Schurken darstellt, der vor allem durch das hinterrückse
seiner Massakrei sich auszeichnen soll, sowie durch einen großen
Beutel Fersengeld, wie Herr D. dann noch feststellt. Traurig, denn
es kann Ihnen doch nicht entgangen sein, dass, wenn ein entwöhnter
Online-Game-Süchtiger sein verfremdetes Gesicht in der Bildröhre
versteckt und öffentlich über den Hergang seines Absinkens
in die Sümpfe virtueller Selbstbestätigung berichtet, von
seinem harten Weg zurück zur wirklichen Lebenserfahrung, dass
dann meistens 'World of Warcraft' genannt wird, als der Sauger, in
dem das eigene Ich immer mehr verschwand. Sie haben wohl auch nichts
gehört von den chinesischen Sklavenlagern, in denen entführte
Oberschüler 16 Stunden und mehr in der 'World of Warcraft' verbringen
und und dort Kräfte und Goldstücke erspielen müssen,
damit ihre Capos sie meistbietend auf dem lange existierenden Schwarzmarkt
für solche virtuellen Werte verkaufen können? Sie müssten
aus meiner Sicht hinter dem Mond leben um dies und vieles mehr nicht
zu wissen. Es gibt bestimmt Sachen, für die es sich lohnt, die
eigene Reputation als psychologisches Mittel der Verhaltensbeeinflussung
zu nutzen, vielleicht auch Produkte, durch deren Bewerb nicht gar
so unverdrängbar Schaden und Schlechtes verharmlost wird, der
vorliegende Fall lässt sich aber nicht so einfach hier einordnen
und entschuldigen. Schon eine der letzten Musikveröffentlichungen
der Viererbande mit diesen und den anderen beiden hatte so ein G´schmäckle,
war doch die mitreissende und wahrscheinlich eingängigste Wiederholungssinnverlängerungsphrasierung
seit 'Verdammt ich lieb Dich' von Matthias Reim musikalisch recht
ansprechend, dachte man doch bei genauerem Zuhören über
deb Text nach, musste man vermuten, dass es sich irgendwie um eine
Abkehr von früher geäusserten Erkenntnissen handelte, schließlich
hatten sie wirklich mit 'wir ernten was wir sähen' eine der meistfehlzitierten
Pseudobauern-Weisheiten aufs Dreschbrett gelegt und wiederwiederholtundwiederholtdraufgeschlagenlagen.
Vergesst bitte nicht, manche ernten nur was sie sehen. Ausserdem stehen
sie jetzt auf einer Stufe mit Nino DeAngelo, der seinerseits Prepaid-Kreditkarten
für Überschuldete bewarb, dann wärs doch besser gewesen
auf einer Stufe mit Falco, Herbert Dreilich, Jimmy Hendrix, ... oder
?