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18.12.2008

Wir ham´s ja

Es ist ja richtig, die diesjährigen Wahlvorgänge in den Vereingten Staaten Noramerikas schienen für die ganze Welt bedeutungsvoll und interessant zu sein, obwohl ja feststand, dass der Hauptgrund des Interesses sowieso Erfüllung finden würde, die Diktatur des Bush-Regimes findet ein Ende. Oberflächlich betrachtet war es ein langwieriges wie weichenstellendes Ereignis, sieht man etwas hinter die Kullissen, wird einem die Scharlatanerie und die Wirkungslosigkeit des Ausgangs auf die zukünftigen Weltereignisse erkennbar und man wird etwas gelassener. Ich selbst bin ja sowieso nachts wach, so war ich live bei der Berichterstattung der Deutschen Medien über die US Wahl dabei.
Gut, ich hatte erwartet, dass sich ARD und ZDF zusammentun und eventuell zusammenschalten würden, Bilder Amerikanischer Fernsehsender übernehmen und von zwei drei Fachleuten übersetzen und kommentieren zu lassen. Doch was geboten wurde war etwas ganz anderes. Die ARD hatte ein Studio in Wahington eingerichtet, ungefähr ein halbes Dutzend Sateliten-Ü-Wagen im Einsatz und Jörg Schönbohm mitsamt statistischer Mannschaft schon im Vorfeld eingeflogen, um eigene Hochrechnungen in Echtzeit zu haben. Das ZDF hatte als Sendezentrale die alte Hauptpost in Berlin gewählt. Allerdings zusätzlich Frau Illner und ein Rudel Experteure in die USA geflogen, damit diese dort hin und wieder Rudelblabla beisteuern konnten, kein halbes, ein ganzes Dutzend Sateliten-Ü-Wagen waren im Einsatz, um sich unregelmässig auf der gigantischen Videoleinwand in Berlin einblenden zu lassen und zu melden, das es nichts zu melden gibt, man aber erwarte, das irgendwann zu melden sei, das jemand bei einer Siegesfeier ankommen würde, und ob die Verlierer eventuell traurig, oder die Sieger gar freudig seien. Schade, das ich nicht schnell genug auf den Snapshot Knopf gedrückt habe, denn dieses Bild des Moderators, den Rücken zum Publikum und mit einer Hand in der Hosentasche des Maßanzugs aus perlmutartig schillerndem Zwirn den Blick auf die Hausgroß vor ihm stehenden Videoleinwand mit lauter kleinen Liveeinblendungen von Menschen, die darauf warteten wieder melden zu können das es noch nichts zu melden gibt - natürlich nicht, beim US-Wahlsystem kann es manchmal Monate dauern, bis wirklich zu melden ist, das jemand verbindlich der nächste Präsident sein wird. Jedenfalls war dies ein Bild, das mich wütend werden lies. Anders als die Berichterstattung auf vier weiteren Privatkanälen, die ja mit ihrem erworbenen Geld machen können was sie wollen, müssen die öffentlich rechtlichen in meinen Augen Maß behalten. In einem Land, das es sich angeblich nicht leisten kann seine Alten und Schwachen würdevoll zu behandeln und gelegentlich in ihren Betten zu wenden, damit sie in ihren häßlichen Pflegeheimen nicht bei lebendigem Leibe verfaulen, in einem solchen Land ist der Luxus einer solchen Berichterstattung über eine fremde Wahl, die Verprassung von Millionen mitten in der Nacht für ein nichtreales unbeständiges Gut wie die Fernseh-Live-Berichterstattung, in dieser Form dekadentester Übertreibung, eine Verhöhnung.
Gott sei Dank fand ich etwas Erleichterung duch Harald Schmidt, der schon auf so manchen Wahnsinn hingewiesen hat, und den Medien in vielfältiger Form den Spiegel vorhält, leider aber meist mit soviel Intelligenz und Grazilitlät, dass es nicht als Aufklärung sondern eben nur als Erleichterung für sowieso bereits bewusste Menschen wirken kann. Trotzdem meinen herzlichen Dank hierfür.

Und wenn ich schonmal bei der Medienschelte wegen Ihrer zunehmenden Distanz zur Realität und zu Ihren Aufgaben bin, noch eine kurze Erwähnung des NDR, für den ich ja selbst einmal tätig war (arrogant, dekadent und eitel, aber ich war ja auch jung) ... da fiel mir eine Sendung unangenehm auf, die sich erstmal damit deklariert, Menschen zu helfen die in verzwickten Situationen mit den Auswüchsen unser unmenschlichen Byrokratie und Rechtsstaatlichkeit geraten sind, genau betrachtet aber nur wie üblich das billige Hinterherlaufen nach privaten Programmtrends darstellt, nur eben wieder mit mehr Aufwand und Kosten. Beeindruckende Kamerafahrten in HDTV durch noch beeindruckenderen und bei manchen sicher neiderzeugende Arbeitsumgebung, technisch nur mit dem besten und teuersten ausgerüstet, oder sollte es günstiger oder gar gewinnbringender gewesen sein als man schätzen würde, in fast jeder Kameraeinstellung mindestens einen Apple Mac oder ein MacBook zu platzieren? Mal ehrlich: hat der Gebührenzahler die Mittel für dieses großzügige und bestimmt schwer zu klimatisierende Ambiente und die Edeltechnik aufgebracht? Oder ist das ein ganz dezentes aber dann immernoch verbotenes Product-Placement ? Ein wenig spricht die Platzierung der Mac-Tower auf dem Schreibtisch schon für letzteres, aber Anlass zur Kritik wäre beides.

 

 
Schmidtradamus